{"id":4652,"date":"2023-08-11T15:17:23","date_gmt":"2023-08-11T14:17:23","guid":{"rendered":"https:\/\/staysafe.admin.ch\/?p=4652"},"modified":"2023-08-11T15:28:12","modified_gmt":"2023-08-11T14:28:12","slug":"der-luftraum-e-echo-aus-der-perspektive-des-flugverkersleiters-gastbeitrag-skyguide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/staysafe.aero\/de\/der-luftraum-e-echo-aus-der-perspektive-des-flugverkersleiters-gastbeitrag-skyguide\/","title":{"rendered":"Der Luftraum E (Echo) aus der Perspektive eines Air Traffic Controllers &#8211; Gastbeitrag Skyguide"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p data-pm-slice=\"1 1 []\">F\u00fcr Pilotinnen und Piloten, die nach Sichtflugregeln (Visual Flight Rules, VFR) fliegen, bedeutet der Luftraum E Frei-heit. Sie k\u00f6nnen sich dort nach Belieben bewegen, ohne die Flugsicherung kontaktieren zu m\u00fcssen. In der Schweiz k\u00f6nnen damit viele Rundfl\u00fcge ohne jegliche Einschr\u00e4nkungen durchgef\u00fchrt werden. Gem\u00e4ss der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (International Civil Aviation Organization, ICAO) handelt es sich beim <strong>Luftraum E jedoch um einen kontrollierten Luftraum<\/strong>. <strong>Welche Auswirkungen hat eine solche Einstufung und was bedeutet sie in der Praxis?<\/strong><\/p>\n<p>Wie auf dem Boden gibt es auch am Himmel ein Streckennetz, mit dem Unterschied, dass dieses aus Abflug-, Transit- und Anflugrouten besteht. Diese sind so angelegt, dass ein gen\u00fcgend grosser Sicherheitsabstand zum Gel\u00e4nde sowie eine Funk- und Radarabdeckung gew\u00e4hrleistet sind. Den Luftraumklassen wird dabei allerdings nicht Rechnung getragen.<\/p>\n<p><strong>Ein Praxisbeispiel<\/strong><br \/>\nNehmen wir als Beispiel einen Transitflug nach Instrumentenflugregeln (Instrument Flight Rules, IFR) zwischen den Drehfunkfeuern (Omnidirectional Radio Range, VOR) Saint-Prex (SPR) und Freiburg (FRI). Ein Luftfahrzeug auf einem solchen Flug wird in Kontakt mit den Flugverkehrsleitenden der Bezirksleitstelle (Area Control Centre, ACC) von Genf stehen und die Flugfl\u00e4chen FL 80, FL 90 oder FL 100 nutzen. Die Obergrenze des Luftraums E liegt bei FL 100. Es kann deshalb durchaus m\u00f6glich sein, dass in der N\u00e4he VFR-Fl\u00fcge durchgef\u00fchrt werden. Da die Flugverkehrsleiten-den aber die Absicht dieser Pilotinnen und Piloten nicht kennen, k\u00f6nnen sie nicht wie gewohnt eine Staffelung vornehmen (3 NM\/1000 ft bzw. 5 NM\/1000 ft).<\/p>\n<p><strong>VFR und IFR im Luftraum Delta<\/strong><br \/>\nFluglotsinnen und -lotsen lernen bereits in ihrer Ausbildung, f\u00fcr einen ausreichenden Sicherheitsabstand zwischen den Flugzeugen in ihrem Zust\u00e4ndigkeitsbereich zu sorgen. Das ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. <strong>Im Luftraum E ist jedoch keine Staffelung zwischen VFR- und IFR-Verkehr erforderlich.<\/strong> Es wird lediglich eine Verkehrsinformation verlangt, soweit dies m\u00f6glich ist. Im Luftraum E k\u00f6nnen sich demnach \u00ablegale\u00bb Ann\u00e4herungen ereignen, die aus der Sicht der Flugverkehrsleitenden \u00e4usserst unangenehm sind. Nur schon im Westschweizer Mittelland verlaufen die An- und Abflugrouten der Flugpl\u00e4tze Payerne und Les Eplatures und des Flughafens Bern durch den Luftraum E. Auf jeder dieser Routen k\u00f6nnen sich deshalb IFR- und VFR-Flieger gef\u00e4hrlich nahe kommen.<\/p>\n<p><strong>Hot Spots in den Alpen<\/strong><br \/>\nDie \u00ablegalen\u00bb Ann\u00e4herungen, die den Flugverkehrsleitenden in der Genfer Bezirksleitstelle am meisten Sorgen bereiten, kommen aber nicht im Mittelland, sondern in den Alpen, in der Region um Martigny vor. Dabei geht es um Konflikte zwischen IFR-Fl\u00fcgen ab Sitten und VFR-Transitfl\u00fcgen in den Alpen. Dort sind alle Voraussetzungen f\u00fcr potenziell gef\u00e4hrliche Ann\u00e4herungen gegeben. Denn aufgrund des Reliefs m\u00fcssen die Flugzeuge im Rhonetal fliegen und der Luftraum C oberhalb von FL 130 \/ 150 stellt oft eine gl\u00e4serne Decke dar, die als undurchdringbar betrachtet wird. Die Abflugroute ab Sitten verl\u00e4uft genau durch diese hindurch.<\/p>\n<p>In solchen F\u00e4llen k\u00f6nnen die Verkehrsleitenden nur zusehen. Eine Staffelung ist praktisch unm\u00f6glich. Denn wegen der Topologie ist es kaum m\u00f6glich, den Steigflug eines IFR-Fliegers zu stoppen oder ihn von seiner Abflugroute abzubringen. Verkehrsinformationen k\u00f6nnen weiterhin erteilt werden, sofern das Flugzeug bereits mit der Stelle in Genf in Kontakt steht. Jets, die von Sitten aus starten, haben oft eine hohe Steigflugleistung. Daraus resultiert eine starke Neigung, die die Sicht nach vorne erschwert. Hinzu kommt, dass die Pilotinnen und Piloten w\u00e4hrend der Startphase einer grossen Belastung ausgesetzt und an eine Staffelung gewohnt sind. Die Kombination all dieser Elemente f\u00fchrt zu potenziell gef\u00e4hrlichen Situationen.<\/p>\n<p><strong>Situational Awareness&#8230;<\/strong><br \/>\nDer von VFR-Pilotinnen wegen seiner Freiheit gesch\u00e4tzte und von Fluglotsen aufgrund des gemischten Flugverkehrs gef\u00fcrchtete Luftraum E ist also ein Sonderfall. IFR-Fl\u00fcge werden nicht zwingend mit grossen Maschinen durchgef\u00fchrt, die leicht zu orten w\u00e4ren. Auch einmotorige Kleinflugzeuge k\u00f6nnen nach IFR fliegen und sind aufgrund ihrer Gr\u00f6sse schwieriger zu sehen. Es gibt keinerlei Garantien daf\u00fcr, dass die Pilotinnen und Piloten von IFR-Fl\u00fcgen immer genau wissen, in welcher Luftraumklasse sie sich befinden. K\u00f6nnen sie daher eine Verkehrsinformation richtig interpretieren? Sind sie sich bewusst, dass ein anderes Flugzeug sehr nahe an sie heranfliegen k\u00f6nnte und die Flugsicherung ihnen nicht die \u00fcbliche Staffelung garantieren muss?<\/p>\n<p><strong>&#8230;See and avoid<\/strong><br \/>\nDie Bedeutung von \u00abSehen und gesehen werden\u00bb kann nicht oft genug betont werden, ist aber keine zu 100 Prozent sichere L\u00f6sung. Der Fluginformationsdienst bietet einen qualitativ hochwertigen Service und erteilt den Pilotinnen und Piloten wertvolle Informationen \u00fcber den Verkehr in der N\u00e4he, dies aber nat\u00fcrlich im Rahmen des M\u00f6glichen. In Zweifelsf\u00e4llen oder bei Fragen k\u00f6nnen Sie sich jederzeit an das Fluginformationszentrum (FIC) wenden. Das Wichtigste ist aber, den Blick nach draussen zu richten!<\/p>\n<p>#airspace #skyguide #flightpreparation #preflightpreparation #weareGA #pilots #flying #avsafety #generalaviation #airoperation #safetyculture<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr Pilotinnen und Piloten, die nach Sichtflugregeln (Visual Flight Rules, VFR) fliegen, bedeutet der Luftraum E Frei-heit. 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