Luftraumverletzungen vermeiden: so gelingt’s
In der TMA Zürich nahmen die Luftraumverletzungen seit der Einführung der neuen Luftraumstruktur im März 2025 deutlich zu. Verantwortlich: die oder der PIC.
Eine Luftraumverletzung beinhaltet ein enormes Gefahrenpotenzial. Sie kann die Vorstufe zu einer Kollision zwischen einem Leichtaviatik-Flugzeug und einem Airliner sein. Die Visualisierung der Vorfälle 2025 zeigt, dass die Luftraumverletzungen vor allem im Norden und Süden im Bereich der LSZH-Hauptanflugrouten auf die Pisten 14, 16 und 34 aufgetreten sind.

Luftraumverletzungen 2025 und kritischen IFR- Segmente rund um Zürich (Quelle BAZL)
Die gemeldeten Vorfälle zeigen oft ungenügende vertikale oder laterale Abstände zu den Lufträumen. Hinzu kommen Flugrouten-Gewohnheiten, die seit der Luftraumänderung im März 2025 nicht genügend angepasst wurden.
Die oder der PIC steht in der Verantwortung, gefährliche Luftraumverletzungen zu vermeiden. Mit einer minutiösen Flugvorbereitung, einer bewusst sicheren und fehlertoleranten Routenwahl mit ausreichenden Sicherheitsmargen sowie einer hohen Situational Awareness bezüglich der aktuellen Position und Flughöhe lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer Luftraumverletzung signifikant reduzieren.
Luftraumverletzungen vermeiden – Checkliste für GA-Piloten
Vor dem Flug
Flugvorbereitung sorgfältig durchführen
- Aktuelle ICAO-Karte verwenden.
- Geplante Route auf kontrollierte, eingeschränkte und temporäre Lufträume prüfen.
- NOTAMs/DABS vollständig lesen.
- Aktivierungszeiten von Sperr-, Gefahren- und Flugbeschränkungsgebieten überprüfen.
- Militärische Übungsgebiete entlang der Route berücksichtigen.
Route bewusst planen
- Ausreichenden Abstand zu Luftraumgrenzen einplanen (nicht direkt entlang einer Grenze navigieren).
- Vertikale Sicherheitsmargen vorsehen (z. B. 200–500 ft Abstand zu Höhenbegrenzungen).
- Markante Geländepunkte als Wegpunkte wählen.
- Alternativrouten für Wetter- oder Verkehrsausweichmanöver vorbereiten.
GPS und Avionik vorbereiten
- Flugplan in GPS/EFB korrekt eingeben.
- Wegpunkte und Frequenzen vor dem Start überprüfen.
- Datenbanken aktuell halten.
- Warnfunktionen für Lufträume aktivieren.
Wetter analysieren
- Sichtbedingungen entlang der Route bewerten.
- Winddrift berechnen und berücksichtigen.
- Wolkenuntergrenzen prüfen, um unbeabsichtigte Höhenänderungen zu vermeiden.
Während des Fluges
Position ständig überwachen
- Regelmässiger Positionsabgleich zwischen: GPS, Karte/EFB und Sichtnavigation
- Nicht ausschliesslich auf ein einzelnes Navigationssystem verlassen.
Höhe konsequent kontrollieren
- Höhenmesser korrekt einstellen (QNH/QNE).
- Regelmässige Cross-Checks durchführen.
- Vor Erreichen von Höhenbeschränkungen rechtzeitig nivellieren.
Sicherheitsabstand halten
- Horizontalen Abstand zu Luftraumgrenzen einhalten.
- Vertikale Reserve einplanen.
- Besonders aufmerksam in der Nähe von Kontrollzonen (CTR), Terminal Areas (TMA), TMZ/RMZ und militärischen Gebieten (Flugbeschränkungs- und Gefahrengebiete).
Funk nutzen
- Flugverkehrsdienst kontaktieren, wenn verfügbar.
- Flight Information Service (FIS) nutzen.
- Bei Unsicherheit frühzeitig nachfragen «Request airspace status»
Nutzung elektronischer Hilfsmittel
Electronic Flight Bag (EFB)
- Moving Map aktiv verwenden.
- Luftraumwarnungen einschalten.
- Tablet ausreichend geladen halten.
- Backup-Stromversorgung mitführen.
Transponder
- Immer korrekten Code einstellen.
- Mode C oder Mode S aktivieren.
- Altitude Reporting überwachen.
ADS-B / Traffic-Systeme
- Situationsbewusstsein verbessern.
- Nicht als Ersatz für Navigation verwenden.
Human Factors
Arbeitsbelastung reduzieren
- Cockpit organisieren.
- Frequenzen und Wegpunkte vorab vorbereiten.
- Aufgaben priorisieren: Aviate – Navigate – Communicate.
Typische Fehler erkennen
- Fixierung auf Wetter oder Verkehr.
- Ablenkung durch Passagiere.
- GPS-Fehleingaben.
- Verwechslung von QNH und Standarddruck.
- Falsche Interpretation von Luftraumgrenzen.
Unsicherheit sofort adressieren
- Position unklar à Position bestimmen.
- Luftraumstatus unklar à Funkkontakt aufnehmen.
- Zweifel an Freigabe à Nachfragen.
Besondere Situationen
In der Nähe kontrollierter Lufträume
- Freigabe erst als gültig ansehen, wenn sie ausdrücklich erteilt wurde.
- Niemals annehmen, dass Kontaktaufnahme automatisch eine Freigabe bedeutet.
Bei Wetterausweichmanövern
- Vor Kursänderung Luftraumauswirkungen prüfen.
- Wenn nötig ATC oder FIS informieren.
Bei Navigationsausfall
- Papierkarte als Backup bereithalten.
- Dead Reckoning und Sichtnavigation beherrschen.
- Funkhilfe anfordern.
Alte Gewohnheiten an die neue Luftraumstruktur anpassen
Gewohnheiten ändern sich schwer – besonders nach fast 20 Jahren stabiler Luftraumstrukturen. Rund um Zürich wurden 2025 mehrere Bereiche neu klassifiziert. Wer nach alten Sichtreferenzen oder Höhen fliegt, kann, ohne es zu bemerken, in Luftraum der Klasse C/D geraten. Zur Vorbereitung gehört daher:
- Neue vertikale und laterale Grenzen vor dem Flug auf der aktuellen ICAO-Karte prüfen.
- Kritische Bereiche visualisieren (mit Hilfe von map.geo.admin.ch oder Google Earth usw.).
- Neue Orientierungspunkte und Sichtreferenzen definieren (Autobahn, Gebäude, Fluss etc.).
- Sehr empfehlenswert: Angewöhnungs-/Refresherflug mit ortskundigem Fluglehrer/-in buchen.
Besonderheiten im Raum Birrfeld
Der Flugplatz Birrfeld liegt nahe an mehreren TMAs des Flughafens Zürich. Bei An- oder Abflügen kam es dabei letztes Jahr vermehrt zu Luftraumverletzungen,

Luftraumverletzungen 2025 im Norden und Westen von LSZH (VFR Manual, Skyguide)
Folgende Punkte sind bei Flügen von oder nach Birrfeld besonders zu beachten:
- Anflug Sektor Nord (N): Minimale Höhe 4000 ft, wobei eine benachbarte TMA wenige hundert Meter östlich bereits bei 3500 ft beginnt;
- Abflug: In den Sektoren N, W und E gelten maximal 3500 ft. Beim weiteren Steigflug sind die Untergrenzen der TMAs zu beachten, insbesondere im Gebiet Wohlen/Bremgarten und in Richtung Süden auf dem Weg in die Alpen.
- Präzise Höhenkontrolle und Navigation erhöhen die Sicherheit in diesem Raum entscheidend.

Anflugkarte Birrfeld (Quelle BAZL)
Besonderheiten im Raum Speck-Fehraltorf
Speck-Fehraltorf liegt in einem anspruchsvollen Umfeld innerhalb der CTR Dübendorf und nahe an der CTR und mehreren TMAs des Flughafens Zürich.

Luftraumverletzungen 2025 südwestlich/südlich von LSZH (Quelle BAZL)
Die Vorbereitung verlangt auch für ortskundige Pilotinnen und Piloten viel Aufmerksamkeit. Gerade an der Homebase können langjährige Gewohnheiten dazu führen, dass neue CTR- und TMA-Grenzen übersehen werden.
Besonders wichtig:
- Die CTR Dübendorf ist HX und kann kurzfristig aktiv/deaktiviert werden. Ein frühzeitiger Kontakt mit dem Tower (oder dich informieren über Zürich Terminal 127.755MHz) ist empfehlenswert.
- Für An- und Abflüge über den Sektor West (W) sowie für Helikopterflüge ist eine vorherige Freigabe des Towers Dübendorf erforderlich.
- Die Zonen LSR84A (GND bis 2500 ft) und LSR84B (GND bis 3000 ft) sind bei aktiver CTR Dübendorf ebenfalls aktiv. Sie unterliegen den Regeln des Luftraums der Klasse G. Ein- und Ausflug müssen so geplant werden, dass rechtzeitig eine Freigabe eingeholt oder der kontrollierte Luftraum vermieden wird.
- In 2026 hat der Luftraum des Flughafens Zürich im Raum Speck-Fehraltorf wieder leicht geändert, dies sei auch sorgfältig in der Flugvorbereitung aufgenommen zu werden.
Video: Youtube, Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL OFAC UFAC FOCA, Luftraumverletzung auf ILS – Airliner muss den Anflug abbrechen – YouTube
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