Gastbeitrag MeteoSchweiz: Grüsse aus der Wüste: Saharastaub
Gelegentlich ist es möglich, dass Wüstenstaub von Nordafrika bis zu uns transportiert wird. Diese Woche passt die Wetterlage wieder. Bis über das Wochenende hinaus sollte bei uns Saharastaub in der Luft sein. Für die Wetterprognose ist das jeweils eine besondere Herausforderung.
Foto oben: Saharastaubereignis vom 28. Juni 2019. Blick von der Baldegg oberhalb Baden in Richtung Nordwesten, rechts der ca. 12 km entfernte Geissberg. Foto: Daniel Buck
Wie beeinflusst der Saharastaub das Wetter?
Einerseits kommt es mit dem Staub in der Luft zu einer Trübung mit entsprechender Sichteinschränkung, also nicht das ideale Wetter für einen Fotoflug. Bei wolkenlosen Verhältnissen erscheint der Himmel auch nicht mehr blau, sondern weisslich bis gelblich oder sogar orange getrübt. Ist die Strömung über der Schweiz schwach und fällt kein Niederschlag, bleibt der Saharastaub länger in der Luft und setzt sich von Tag zu Tag in tiefere Luftschichten ab, bevor er schliesslich die Erdoberfläche erreicht und auf Gartenmöbeln, Fensterbrettern und Fahrzeugen sichtbar wird. Für den Boden haben die mineralischen Sandteilchen sogar eine düngende Wirkung.
In den meisten Wettermodellen sind Saharastaubereignisse nicht enthalten, es wird einfach mit einer vordefinierten Menge an Aerosolen gerechnet. Der Staub hat jedoch einen grossen Einfluss auf das Wetter: Die zusätzlichen Kondensationskeime können zu einer Bewölkungszunahme führen. Bei einer ausreichend grossen Staubkonzentration und genügend Feuchtigkeit werden bereits vorhandene Wolkenfelder dichter. Aus unscheinbaren dünnen Schleierwolken kann im Extremfall ein bedeckter Himmel werden. Das stellt uns Meteorologinnen jeweils vor die grosse Herausforderung, die Bewölkung mit Saharastaub möglichst genau zu prognostizieren und allenfalls auch die Temperaturen anzupassen. Automatisch generierte Produkte wie Lokalprognosen oder Modellberechnungen fallen dann oft zu sonnig aus und berechnen zu hohe Temperaturen. Trotz Hochdruckwetter könnte es also zu Einschränkungen in der Besonnung kommen, und dies nicht nur durch den Morgennebel. Nachfolgend die Vorhersagen des ICON-CH-2 Modells für die tägliche Sonnenscheindauer in dieser Woche, welche den Einfluss des Saharastaubes nicht abbildet.
Tägliche Sonnenscheindauer von Dienstag (Today), 3. März bis Samstag, 7. März 2026: Je roter, desto sonniger. Gut zu erkennen ist die reduzierte Sonneneinstrahlung durch Quellwolken im Süden und Morgennebel im Mittelland, jedoch noch kaum durch die möglicherweise mit Saharastaub dichteren Wolkenfeldern am Donnerstag und vor allem am Freitag. Grafik: MeteoSchweiz
Oft sind Wolken, die mit Saharastaub angereichert sind, auf den Satellitenbildern zu erkennen: Sie zeigen eine typische gerippte Oberflächenstruktur. Die unruhige Oberfläche ist besonders in den Morgenstunden zu sehen, weil sich mit dem Saharastaub an der Wolkenoberfläche kleinräumige Thermik bildet.
MTG Satellitenbild (Meteosat Third Generation) von Dienstag, 3. März 8 UTC: Anfang Woche wurde Saharastaub über Spanien bis zur Biskaya verfrachtet. Über dem Meer ist die bräunliche Trübung deutlich zu erkennen. Die Wolken über den Pyrenäen weisen das für Saharastaub typische gerippte Muster auf. Quelle: Eumetsat
Wann wird Saharastaub zur Schweiz transportiert?
Damit diese Verfrachtung möglich ist, müssen verschiedene Prozesse zusammenspielen. Zunächst braucht es in der Sahara genügend Wind, damit der Mineralstaub vom Boden in die Luft gewirbelt wird. Das kann einerseits durch Konvektion, andererseits durch Fronten ausgelöst werden. Für den Weitertransport zum Alpenraum sind Tiefdruckgebiete mit Fronten gut geeignet, weil sich auf der Vorderseite auch gleich eine südwestliche Höhenströmung einstellt. Anfang Woche zog das kräftige Tief «Regina» vom Atlantik nach Marokko und führte bereits zu Staubtransport in den westlichen Mittelmeerraum. Die folgende Grafik zeigt die Staubkonzentration in Kombination mit den Druckverhältnissen in der Höhe. Diese Berechnungen stammen von einem Modell, das auf Staub in der Atmosphäre spezialisiert ist.
Dienstag, 3. März, 12 UTC: Die farbigen Flächen stellen die berechnete Staubkonzentration des speziellen Modells von Copernicus dar. Die schwarzen Linien zeigen die Isohypsen auf 500 hPa des IFS Modells. Quelle: Copernicus, ECMWF, MeteoSchweiz
MTG Satellitenbild von Dienstag, 3. März 12 UTC: Anfang Woche wurde bereits Saharastaub in den westlichen Mittelmeerraum verfrachtet. Das Satellitenbild stimmt gut mit der Modellvorhersage von Copernicus überein. Quelle: Eumetsat
Im Laufe der Woche verlagert sich Tief «Regina» von Marokko über Spanien. Der aufgewirbelte Saharastaub gelangt mit der südwestlichen Strömung allmählich näher zum Alpenraum. Bereits am Dienstag hat die Messstation auf dem Jungfraujoch den Beginn dieses Saharastaub-Ereignisses festgestellt. Am Mittwoch scheint der Himmel besonders mit Blick Richtung Süden auch schon etwas eingetrübt zu sein. Gemäss den Modellberechnungen dürften die Staubkonzentrationen vor allem ab Donnerstag grösser werden. Es besteht jedoch noch eine grosse Unsicherheit betreffend Timing, Staubmenge und dem möglichen Einfluss auf Sicht und allfällige Wolken. Saharastaub hat auch verschiedene und zum Teil gegensätzliche Einflüsse auf die Gewitterbildung. Diese komplexen Prozesse würden den Rahmen dieses Beitrags jedoch bei Weitem sprengen – und Gewitter sind in den kommenden Tagen sowieso keine in Sicht.
Donnerstag, 5. März, 12 UTC, Freitag, 6. März 12 UTC und Samstag, 7. März 12 UTC: Die farbigen Flächen stellen die berechnete Staubkonzentration des Copernicus Modells dar. Die schwarzen Linien zeigen die Isohypsen auf 500 hPa. Quelle: Copernicus, ECMWF, MeteoSchweiz
Wann kommt es am häufigsten zu Saharastaub-Ereignissen?
Für einen Transport von Nordafrika bis zum Alpenraum werden südliche Winde benötigt. Entsprechend hängen Saharastaub-Ereignisse oft auch mit Föhnlagen zusammen. Es zeigt sich im Jahresverlauf je ein Maximum im Frühjahr und im Herbst sowie ein Minimum im Sommer. Bei der Wetterlage von dieser Woche erreicht uns der Saharastaub nicht auf dem direkten Weg, sondern wird mit dem Hoch über Mitteleuropa eher um die Schweiz herumgeführt.

Stunden mit Saharastaub Messung auf dem Jungfraujoch im Jahresverlauf. Grafik: MeteoSchweiz
Wie gross sind die Saharastaubteilchen?
Nur kleine und damit leichte Partikel können längere Zeit in der Luft schweben und so über grosse Distanzen transportiert werden. Saharastaub fällt in die Kategorie Feinstaub und wird als PM10 oder PM2.5 gemessen. PM bedeutet Particulate Matter, auf Deutsch: Feinstaubpartikel. PM10 bzw. PM2.5 sind Teilchen, die einen Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer bzw. 2.5 Mikrometer haben.
Was sind die Auswirkungen von Saharastaub auf die Aviatik?
Im Vergleich zu Vulkanasche ist der Einfluss von Saharastaub in unseren Breiten gering und mehrheitlich unbedenklich für die Performance von Flugzeugen. Schwerwiegendere Folgen haben Sandstürme in den Wüstenregionen; neben starken Winden und massiver Sichtreduktion besteht die Gefahr von Leistungseinbussen und Treibwerksschäden (z.B. Verglasung durch geschmolzenen Sand) sowie strukturelle Schäden («sandstrahlen» von Aussenflächen und Fenster). In unseren Regionen wird allerdings auch die Met Vis beeinflusst. Bei tiefem Sonnenstand wird mehr Licht gestreut, was die Met Vis reduziert. So ist selbst für einen kurzen Abendflug empfehlenswert, die Sonnenbrille einzupacken. Zu beachten ist auch, dass die Staubteilchen sich bei windschwachem Wetter über den Alpen auf Passhöhe und bis in die Täler absenken können, wo eine Sichtreduktion besonders sensibel ist für VFR-Flüge. Vor dem Flug kann die Sicht auf Webcams entlang der Route überprüft werden.
Saharastaub kann aber auch die Human Performance beeinflussen: Bei sehr starken Ereignissen gibt es Berichte von vermehrter Müdigkeit und Trägheit, hervorgerufen durch den eintönigen und leicht rötlichen Himmel. Wie bei jeder Wetterlage wird grundsätzlich empfohlen, sich nur ausgeruht und fit ins Cockpit zu setzten. Und besonders für Menschen mit Atemwegserkrankungen kann der Feinstaub auch zur Belastung werden, wenn die Partikel die bodennahen Luftschichten erreichen.
Bei Fragen lohnt sich auch ein Anruf in der Flugwetterzentrale in Zürich, um mehr über das Ereignis und dessen Einfluss auf den geplanten Flug zu erfahren. Wir freuen uns, Sie unter 0900 162 737 persönlich beraten zu dürfen.
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