Gastbeitrag MeteoSchweiz: Mit dem Herbst beginnt auch wieder die Nebelsaison

Wie werden die verschiedenen Nebelphänomene in METAR bzw. TAF gemeldet bzw. prognostiziert? Und wie war das schon wieder mit den unterschiedlichen Nebelarten? Wie stehen die Auflösungschancen? Und wann bitteschön ist mit dichtem Nebel, wann mit noch VFR-tauglichem Hochnebel zu rechnen? Wir widmen uns der Nebelproblematik anhand einiger Beispiele, damit beim nächsten Nebeltag keine Fragen offen bleiben.

Sichteinschränkungen in METAR und TAF
Per Definition spricht man von Nebel, wenn die Meteorologische Sichtweite (Meteorological Visibility – Met Vis) weniger als 1000 Meter beträgt – im METAR steht dann FG. Es gibt aber auch Nebelphänomene, bei denen im METAR eine höhere Sicht angegeben wird. Diese Spezialfälle sind (Details dazu weiter unten):

VCFG (Vicinity Fog / Nebel in der Umgebung), MetVis >1000 Meter

MIFG (Shallow Fog / Tiefer Wiesennebel), Met Vis 1000 – 9999 Meter

BCFG (Patches of Fog / Nebelbänke), Met Vis < 1000 – 9999 Meter

PRFG (Partial Fog / Stellenweise Nebel), Met Vis< 1000 – 9999 Meter

FZFG (Freezing Fog / Gefrierender Nebel), < 1000 Met Vis Meter

Doch auch Trübungen durch Dunst sind im Herbst ein wichtiges Thema. Dieser wird als BR gemeldet, wenn die Met Vis aufgrund einer feuchten Grundschicht 1000-5000 Meter beträgt. Die Bezeichnung stammt vom französischen Brume und wird im Aviatik Jargon auch Mist genannt. Feuchter Dunst tritt meistens am Morgen bei der Nebelauflösung oder abends bei der Nebelbildung auf. BR kommt mitunter bei stabilen Hochdrucklagen im Herbst auch ganztägig vor. Mit der Obergrenze des Dunstes in den Nachmittagsstunden lässt sich bei einer persistenten Wetterlage gut die Nebelobergrenze des Folgetags abschätzen. BR gilt somit als guter Indikator für die Feuchtigkeit und damit Nebelanfälligkeit der Grundschicht. Wer also im METAR BR liest, sollte das TAF zusätzlich für den möglichen Zeitpunkt der Nebelbildung zu Rate ziehen.


Beispiel METAR: VRB01KT 4200 BR NSC 14/10 Q1016 NOSIG

VCFG
Gibt es Nebel ausserhalb des Flughafenareals aber innerhalb von einem 16 Kilometer Radius um den Flughafen, wird dies mit Vicinity Fog VCFG  angegeben. VCFG bedeutet, dass Nebel auch direkt auf dem Platz möglich ist. Beim TAF und METAR TREND (2 Stunden Prognose am Ende der METAR für LSZH und LSGG) den entsprechenden Zeitstempel beachten.

Beispiel METAR: VRB01KT 9999 VCFG FEW070 11/11 Q1016 BECMG PRFG

MIFG
Bei MIFG (MI steht für das französische Mince) handelt es sich um Boden- oder Wiesennebel, welcher nicht höher als ca. 2 Meter misst. Im Aviatik-Sprachgebrauch auch Shallow Fog genannt. Bei dieser Nebelart kann die Met Vis auch mehr als 1000 Meter betragen, da die Met Vis auf 2 Meter über Grund bestimmt wird. MIFG taucht vor allem im frühen Herbst nach klaren Nächten auf. In der Regel ist Wiesennebel harmlos und verschwindet meistens 30 Minuten nach Sonnenaufgang wieder. MIFG kann aber auch ein Zeichen für eine Weiterentwicklung des Nebels sein, speziell beim Auftreten schon während der Nacht: TAF und METAR TREND studieren.

Beispiel METAR: VRB01KT 9999 MIFG NSC 08/07 Q1016 NOSIG

BCFG
BCFG (BC steht für das französische Banc) sind nicht zusammenhängende Nebelbänke, welche die Met Vis beeinträchtigen können. In der Aviatik wird gerne von Patches of Fog gesprochen. Meistens sind BCFG die Vorstufe von FG in den frühen Morgen- oder Abendstunden. BCFG können auf eine sich entwickelnde Nebellage hinweisen: TAF und allenfalls METAR TREND beachten.

Beispiel METAR: VRB01KT 4500 BCFG NSC 08/07 Q1016 BECMG 1200 PRFG

PRFG
Bei PRFG (Partial Fog) befinden sich Teile des Flughafens im Nebel. Meistens wird PRFG in Kombination mit einer Sektorsicht angegeben. PRFG kann bei Nebelbildung wie auch -auflösung auftreten und ist ein Hinweis auf eine Veränderung der Situation: TAF wie auch METAR TREND beachten.

Beispiel METAR: VRB01KT 7000 0800N PRFG FEW070 Q1016 NOSIG

FG
FG wird gemeldet, wenn sich der ganze Flughafen im Nebel befindet. Sind die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, ist FZFG zu lesen. FG kann je nach Nebelsituation länger anhalten. Im TAF wird prognostiziert, ob und ab wann mit einer Veränderung zu rechnen ist. Normalerweise ist im Nebel keine Wolkenbasis mehr sichtbar. Anstelle der Wolkenbasis wird dann die Vertikale Sicht VV angegeben. Auf Höhe der VV kann die Pilotin oder der Pilot die  Pistenbefeuerung erkennen. Weil es sich um eine Distanz in der Vertikalen handelt, ist die Einheit gleich wie bei der Basis der Wolken in Hekto FT.

Beispiel METAR: VRB01KT 0500 FG VV002 04/04 Q1016 NOSIG

Die verschiedenen Nebelarten
Die oben beschriebenen Nebelphänomene in METAR und TAF beschreiben die Grundart Strahlungsnebel. In klaren und windstillen Nächten (Hochdruckwetter) kühlt der Erdboden aus und damit auch die darüber liegende Luft. Sinkt die Temperatur bis zum Taupunkt, bildet sich in einer ersten Phase Tau, bei einer weiteren Abkühlung dann BR, MIFG, BCFG, PRFG und FG, bzw. unter 0 Grad FZFG. Es braucht ein entsprechendes Feuchtangebot, das an einem kleinen Spread (Unterschied Temperatur und Taupunkt) erkennbar ist. Strahlungsnebel wird auch begünstigt, wenn am Vortag Niederschlag gefallen ist und der Himmel in der Nacht aufklart.

Von Hochnebel sprechen wir dann, wenn die Nebelschicht nicht mehr am Boden aufliegt. Im METAR steht dann zum Beispiel OVC030. Hochnebel entsteht im Schweizer Mittelland im Zusammenhang mit Bise: je stärker die Bise, desto höher der Hochnebel, da er durch die Bise «in die Höhe gepumpt» wird. So lässt sich dann ein VFR Flug unter dem grauen Deckel bei genügend hoher Basis trotzdem durchführen.

Orographischer Nebel beschreibt eine Wolke, die an der Topographie aufliegt, zum Beispiel bei Staulagen am Jura oder an den Alpen.

Advektionsnebel wird vor allem an Küsten beobachtet, wenn warme und feuchte Luft sich über einer kalten Meeresströmung abkühlt und es folglich zur Kondensation kommt.

Wie löst sich Nebel wieder auf?
Der bei uns häufig auftretende Strahlungsnebel wird tagsüber durch die Erwärmung der Sonne wieder «weggebraten». Je geringer Tageslänge und Sonnenenergie, desto zäher der Nebel.

Man würde es nicht denken, aber Nebel und Hochnebel reagieren sensibel auf Veränderungen. So gelten Druckänderungen, Wind, das Einfliessen von trockener und/oder kalter Luft auch als gute «Nebelkiller». Sehr gut funktionieren auch mittelhohe Wolkenfelder, welche mit ihrer Gegenstrahlung den Nebel auflösen. Oder in anderen Worten: je persistenter eine Hochdruck- bzw. Bisenlage, desto zäher der Nebel bzw. Hochnebel. Verändert sich das Wetter, steigen auch die Auflösungschancen.

Wir schliessen diesen Nebelbeitrag mit einem Schulbuchbeispiel vom Flugplatz LSMM ab. Der Nebel hat sich an diesem Morgen innerhalb von nur einer Stunde aufgelöst.

Im Faltblatt «Flugwetterinformationen in der Schweiz» von MeteoSchweiz findet man die METAR und TAF Bezeichnung in handlicher Form zum Nachlesen. Die Broschüre kann auch elektronisch als Download bezogen werden unter:

https://www.meteoschweiz.admin.ch/service-und-publikationen/publikationen/verschiedenes/2023/flugwetterinformationen-in-der-schweiz.html

Bildquelle: Meteoschweiz

Safety first, every flight, every time.


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